Newsletter | Shop | AGB | Glossar | Suche | Kontakt | Impressum | Datenschutz

Das Mailorder-Blog von Martin Gross-Albenhausen

Von Martin Groß-Albenhausen
10.03.10

The Meaning of it All: Der semantische Prozess im Online-Handel

 

Viele Versender stehen im Moment mit einem Bein im 2.0-Zeitalter. Die eigentliche Aufgabe kommt, wenn man "springt" und dann in den sozialen Netzwerken relevant wird. Wie wird man der unstrukturierten Daten Herr?

Das ist eine der wichtigsten Fragen für die Branche. Neue Geschäftsmodelle oder Verkaufsformate sind das eine. Der Schatz des Web 2.0 wird aber erst durch die Operationalisierung von chaotischen Kundeninformationen gehoben. Darum haben wir es zu einem zentralen Thema auf der ECOM am 27. und 28. April in Berlin gemacht.

Die amerikanische Analytics-Beratung Attensity hat den nötigen Prozess mit dem charmanten Namen "LARA" bezeichnet. In Deutschland kann man Lara über die Attensity-Company Empolis einsetzen (freundlicher Dank an Martina Tomaschowski für den Hinweis!). 

Nein, nicht Boris Pasternaks Geschichte von Doktor Schiwago stand hier Pate, sondern eine Folge von 4 Schritten:

  • Listen
  • Analyze
  • Relate
  • Act

Attensity hat den nötigen Prozess in ein Schaubild zusammengefasst: 

Die größte Hürde liegt im zweiten Schritt, und hier liegt denn auch die "secret sauce" jeder Analytics-Beratung. Es geht darum, neben der exakten Wortbedeutung auch die Bedeutung im Kontext sowie letztlich in der Tonalität richtig zu ermitteln. Oder mit den Worten von Attensity: 

Using our patented Semantic Server that includes keyword, statistical and natural language approaches we are able to essentially tag or "barcode" every word and the relationships between words making it data that can be accessed, searched, routed, counted, analyzed, charted, reported on and even reused!  We do this using a process that doesn't require the user to define keywords or terms that they want their system to look for or include in a rule base, but rather it automatically identifies these terms ("facts," people, places, things, etc.) and their relationships other terms or combinations of terms.

An die Logiken der Analyse kommt man nicht heran - sie sind so geheim wie das Coca-Cola-Rezept. Letztlich ist das ja auch die Kernkompetenz. Spannend ist aber auch der dritte Schritt: Die nunmehr geordneten Chaos-Daten mit dem strukturierten Daten zu verknüpfen. Um welche Produkte geht es, um welche Shop-Seite, um welchen Business-Vorfall oder welchen genauen Service-Prozess? M.E. gehört hier auch die Verknüpfung z.B. mit der Kundendatenbank dazu, aber auch ein Abgleich mit weiteren Informationen aus der Produktdatenbank. Also z.B., ob es sich um ein Aufbau-Produkt oder ein Abschöpfungs-Produkt handelt, Kernsortiment oder Randsortiment etc. Erst dadurch wird der letzte Schritt möglich.

Auf der ECOM gibt es eine konkreten Anwendungscase aus der Reisebranche. Und vielleicht können wir schon erste Erkenntnisse aus einer Vorstudie bei Versendern zeigen. Mal sehen. Nota bene: Attensity ist NICHT dabei, ich habe mich nur etwas in LARA verguckt...


Von Martin Groß-Albenhausen
10.03.10

Blog-Widget arbeitet in smatch.com's "wohnklamotte.de"

Vor 14 Tagen auf der IT@Commerce mit dem EMIT-Award des "Instituts für Versandhandels-Innovationen" ausgezeichnet, findet sich im neuen Möbel-Blog "wohnklamotte.de" das Blog-Widget von smatch.com.

Kurz erläutert: Das Blog-Widget mit dem Namen "ShoptheStyle" erlaubt es dem Blogger, bei passenden Produktfotos aus der smatch-Datenbank die entsprechenden Produkte quasi im Bild zu hinterlegen. Wenn der Leser mit der Maus über den smatch-Punkt fährt, poppen die Produktlinks auf. Realisiert z.B. beim Blogpost über Esprits Bodenbeläge. So sieht's im Screenshot aus:

wohnklamotte-widget.png

Wirklich clever am ShoptheStyle-Widget ist, dass immer passende Artikel nachgeführt werden. Wenn also die oben gezeigten Produkte nicht mehr auf smatch.com verfügbar wären, würden Alternativen angezeigt. Gerade bei modischen Artikeln vermeidet smatch so "broken links" oder 404-Meldungen.

 


Von Martin Groß-Albenhausen
10.03.10

Customization-Trends: Dreifache Conversion und reichlich Up-Selling

Fluid hat gerade zwei neue Customisation-Projekte lanciert - beide nicht im Fashion-Bereich, sondern bei Hartwaren und sogar im B2B-Bereich. Aus den zahlreichen, von Fluid realisierten Konzepten zeigen sich einige Erkenntnisse:

Die Conversion-Rate liegt bei den Nutzern der Customisation-Tools erreicht nicht selten 200 % des durchschnittlichen Wertes. Daneben liegt einer der Hauptnutzen aber im Cross- und Up-Selling während der Customisation-Prozesses. Das führt zu einer veränderten Angebotsstrategie: Das Basis-Modell wird kaum höher als die Einstandskosten verkauft, der eigentliche Aufschlag kommt bei der Individualisierung. Farbvarianten, besondere Schnürsenkel bei Schuhen oder Griffe bei Schränken, Monogramme o.ä. bei Hemden - die Kunden sind bereit, hier deutlich mehr zu zahlen als dem Versender real an Kosten entsteht.

Letztes Jahr habe ich über das Starbucks-Modell geschrieben: "Make it special", also der zu Premium-Preisen verkaufte Billig-Zusatz, dient dem Kunden dazu, sich zu unterscheiden. Dass Starbucks hier Aufschläge von 500 % und mehr kalkuliert, ist letztlich unerheblich.

Was viele Versender übersehen, ist der besondere Effet, den solche Customization durch die Verknüpfung mit sozialen Netzwerken erhält. Gerade hier geht es darum, sich spielerisch hervorzuheben. Einerseits ist es ein deutlicher Hebel für Fluids Kunden, wenn sie aus der Customisation-Lösung heraus erlauben, Produktentwürfe mit Fans und Freunden auf facebook, MySpace etc. zu "teilen". Reebok hat beispielsweise ein Widget entwickelt, das Nutzer in verschiedensten Netzwerken und Applikationen einbinden können.

reebook_widget.png

Die Ralph Lauren-Marke Rugby geht ähnlich vor und hat zuletzt sogar eine iPhone-App entwickelt: Auch das ist eine Social Network-Applikation - bei der das Netzwerk ganz real der Freundeskreis in der Kneipe ist, der gemeinsam auf dem Smartphone die Produkte bastelt.

rugby2.png

rugby3.png

Einerseits geht es darum, anders zu sein. Aber auch die Bewertung gehört zum spielerischen Social Customizing dazu. Oder sich von den Styles anderer Kunden inspirieren zu lassen. Dabei darf aber die soziale Komponente nicht den eigentlichen Design- und Einkaufsprozess unterbrechen:

Providing the consumer with simple, intuitive social tools — both providing the ability to chat real-time with friends & ability to engage one’s facebook network without ever leaving the customization experience — has become a priority among most of our clients (and now considered a best practice within Fluid).

Fluid sieht zwei bedenkenswerte Trends:

 

  1. Customization "on-site" wird nicht mehr als separates Tool gedacht, sondern in die allgemeine Shopping-Experience eingebettet. Ich kann also auf der Artikelseite selbst neben dem Standard auch Individualisierungen vornehmen.
  2. Wer aktiv eine Social Media-Strategie verfolgt, setzt Customization bevorzugt in diesem Ambiente ein. "The Medium is the message" - und soziale Netzwerke haben ihre Stärken speziell bei interaktiven Shopping-Angeboten, die obendrein einen gemeinschaftlichen Kauf- oder eben Design-Prozess fördern.

Von Martin Groß-Albenhausen
09.03.10

Fun zur Wochenmitte: Die Recognizr-App

Ohne Worte ... gefunden bei Brainwash:

 


Von Martin Groß-Albenhausen
09.03.10

Benetton goes AR: Augmented Reality im neuen Benetton-Katalog

Wehkamp hat großflächig AR in Tageszeitungs-Beilegern getestet. Aus Italien kommt jetzt ein Beispiel für den Einsatz von Augmented Reality im Katalog. Benetton hat den neuen "Interactive Catalogue" durchgängig mit QR-Codes ausgestattet.

Bei der Initiative handelt es sich um mehr als einen kleine Versuchsballons. Sämtliche Kataloge der Benetton Group - also für DOB, Haka, Kiko, Wäsche/Bademode sowie Sisley - tragen auf der Rückseite einen simplen QR-Code.

benetton_AR_auswahl.jpg

Es genügt, die Rückseite auf der entsprechenden Shopseite (z.B. http://www.benetton.com/AR) in die Kamera zu halten und man bekommt einen 90 Sekunden langen Clip vom Fashion-Shooting. Hier das Erlebnis als Screen-Video:

Wer keinen Printkatalog hat, kann im Internet PDF-Kataloge downloaden bzw. kurzerhand einen Screenprint vom QR-Code machen und ausdrucken. Das funktioniert (wie im Video zu sehen) problemlos. Den interaktiven Kinderkatalog gibt es als PDF hier.

Für Versender sollte es ein leichtes sein, hier mit kreativen und zielgruppen-gerechten Mehrwerten aufzuwarten. Die Handhabung ist für den Nutzer bei Benetton sehr einfach gelöst. Allerdings fehlt der echte Nutzen. Wenn aber hinter dem Code ein besonderes Angebot steckt, kann ein solcher QR-Code Involvement bringen.

Denken wir das weiter, kann eine AR-Seite im Shop auch für Print-Anstöße genutzt werden, die nicht mal im teuren Katalog-Format daherkommen müssen. Eine Postkarte tut es. Die Vielgestalt der Codes erlaubt am Ende sogar personalisierte Video-Erlebnisse.

"Augmented Reality" war (am Beispiel von RichRelevance bzw. fashionista.com) eines der Innovations-Themen auf der Retail Marketing & Innovation Conference der shop.org vergangene Woche in San Francisco. Benetton ist quasi zeitgleich mit dem QR-Katalog auf den Markt gekommen. Warten wir mal ab, wann die ersten Kataloge in Deutschland kreativ mit AR umgehen.

 


Von Martin Groß-Albenhausen
07.03.10

"Adden Sie uns, und wir bleiben in Kontakt"

Frisch aus San Francisco zurück, liegt bei mir die erste Ausgabe des Esprit-Magazins auf dem Schreibtisch. Eine Reise vom Print ins Internet.

Esprit-Magazin.png

Dass Esprit einen gedruckten Anker schaffen würde, lag nahe. Man beobachtet sich in der Branche, und der Erfolg des H&M-Kataloges zeigt, dass Store und Online von so einem Magazin oder Magalog oder in Esprits eigener Sprache "Katalog" (!) durchaus profitieren kann. Inspiration einerseits, Verlängerung des Store-Erlebnisses andererseits. In San Francisco ist mir aufgefallen, dass viele Läden inzwischen auf die früher üblichen Katalogauslagen verzichten. Wo sie allerdings noch angeboten wurden (Crate & Barrel bzw. cb2, Lush) haben die Kunden gerne zugegriffen.

Das Esprit-Magazin inszeniert das Mode-Prinzip des Labels und wählt als Botschafter die Models. Das ist ein möglicher Weg, wenn kein echter Marken-Botschafter in Form des Gründers gegeben ist. Mir fällt allerdings ein "typisches" Händler-Problem hier auf: Esprit schwankt zwischen dem distanzierenden "Sie" und dem Community-"Du". Die Models werden geduzt, es ist viel vom "Wir" und "Uns" der Marke die Rede.

Damit bricht aber das, sagen wir mal: Versender-typische, "Sie" in der Kundenansprache. Das führt zu einem emotionalen Bruch, der Kunde bleibt draußen:

Wir sind stolz darauf, das alles gemeinsam erreicht zu haben. Genauso sehr hoffen wir, dass es für Sie ein Vergnügen ist, unsere Kleidung zu tragen.

Symptomatisch für eine Marke vielleicht, die letztlich dem Kunden gegenüber steht, aber von ihm nicht beeinflusst werden will. Kann man mitreden? Offenbar will Esprit das, denn ein paar Seiten später erzählt das Magazin von "Freundschaften, die auf der Wüstenstraße begannen": Die Erlebnisse der Models beim Shooting.

"Und jetzt sind sie alle beste Freunde. Freundschaft ist ein zentrales Thema bei Esprit. Wir freuen uns über jeden neuen Freund auf Facebook. Adden Sie uns und wir bleiben in Kontakt."

Also "adde" ich. Das Esprit-Erlebnis auf facebook ist viel persönlicher - und dazu tragen die mehr als 25.000 Fans kräftig bei. Über die Pinnwand kommt man dann auch in die elektronische Version des Kataloges - nicht den blätterbaren Katalog, den man im e-Store findet, sondern eine echte e-Zine:

Esprit_facebook.png

Das e-Magazin hat nun gar nichts mehr mit der Papier-Version zu tun, sondern zeigt für mich hervorragend, wie elektronische Magazine später auch auf dem iPad funktionieren können.

Esprit_e-Zine.png

Esprit bietet mit der e-Zine eine wirklich gelungene Übersetzung des Printkataloges. Statt sich (wie oft bei Katalogen) letztlich zweidimensional weiter zu entwickeln, stimmen Sprache, Navigation, Struktur des facebook-Magazins auf den Punkt. Schade ist einzig, dass die direkte Verlinkung zu den Produkten im Shop nicht trifft. Hier ein kurzes Webvideo:

 

Marc Andreesen hat dieser Tage nochmal wiederholt, dass Verlage die (Print-)Boote versenken sollten. Die Denke könne sonst schlichtweg der neuen Zeit nicht angepasst werden.

Despite trying time and again, Andreessen’s observation is that media companies have no aptitude for technology, nor do they really understand what technology companies do. The one thing technology companies do really well is deal with constant disruption.

Esprit beherrscht beide Sprachen und bedient mit der Print-Ausgabe, dem facebook-Auftritt und der e-Zine unterschiedliche Zielgruppen und Medien. Geht doch.

 

 


Von Martin Groß-Albenhausen
02.03.10

Warum Social Network Marketing für Marken - und Händler - Pflicht wird

Diese Woche bin ich auf der shop.org Innovation Conference in San Francisco. Vorab habe ich einen Termin bei Fluid Commerce eingeschoben, Social Commerce Softwareschmiede und Partner u.a. von Demandware und Truition. Ein Plädoyer für Mut zur Nähe in Social Networks:

Jenseits der Westfield Mall, hinter Mission Street und Bay Bridge Highway, liegt der South Beach District von San Francisco. Hier hat Andy Lloyd mit Fluid Commerce sein Domizil aufgeschlagen - nicht in einem der Bürotürme an der Market Street, sondern in einem klassischen dreistöckigen Geschäftshaus. Zwei Treppen hoch, unter dem Zedernholz-Dach, hängt ein Schild an der Tür: „Knock loudly and with enthusiasm!“

Andy Lloyd kann mit Fug und Recht sagen, Social Commerce von der Theorie in die Praxis zu heben. Seine Kunden sind Unternehmen wie The North Face oder Jansport, Vans oder die Jones Apparel Group, Lucky Jeans, Timberland - lauter vertikale Anbieter, deren Stores man auch u.a. in der nahen Westfield Mall erleben kann. Im Internet agieren diese Marken mittlerweile mit „collaborative shopping“, Customization, Merchandising-Widgets für iGoogle oder auch Target-Merchandising für Micro-Plattformen. Hier ein paar der Anwendungen:

Vans.png

JanSport_01.png

luckybrand.png

Jüngstes Feature der Fluid Social-Suite ist ein Facebook-Fanshop. Nach dem Start mit den Rachel Roy Brands setzt seit wenigen Tagen Nine West auf die gleiche Karte: Ein Lookbook präsentiert, nur für Fans zugänglich, 12 Styles mit einem besonderen Discount.

NineWest.png

Social Network Marketing ist beileibe kein Selbstläufer. Aber Nischenmarken und zunehmen auch bekannte Brands versuchen, das Markenerlebnis auch in die Netzwerke zu transportieren. Und dazu, meint Lloyd, sind sie durch die Dominanz von Google auch gezwungen: Für Kunden ist es nicht mehr nötig, in die Shops der Marken selbst zu gehen. Transaktionen werden in der Mashup-Kultur bald öfter außerhalb des „kontrollierten“ Online-Stores initiiert und zuweilen auch abgeschlossen.

Um so wichtiger, den Kunden mehr als Ware um die Ohren zu hauen. Und dafür bieten sich Social Networks an. Allerdings mit einem klaren Ziel: „Die Marken zielen auf eine möglichst hohe Fan-Zahl, um ihre Attraktivität zu demonstrieren. Das ist der Marketing-Teil. Es geht aber dabei aber auch um Permission-Zugänge: Facebook ist Lead-Generation für nachfolgende Direct Marketing-Aktionen.“

Das Internet ist für die Marken Fluch und Segen zugleich. Lange war das Store-Personal ein Risiko, weil die Marke nicht bis ins Letzte das persönliche Erlebnis der Kunden diktieren konnte. Das Internet hat hier mehr Kontrolle gebracht - um den Preis einer Standardisierung. Social Media ist für die Marken ein Weg, diese Kluft, die „Distanzhandel“ unweigerlich mit sich bringt, wieder zu schließen.

Nicht alle Marken setzen, wie beispielsweise Rachel Roy, im Brand-Building stark auf Blogs und Netzwerke. Denn manche - wie etwa The North Face - haben kein „Gesicht“. Sie müssen erst über Stellvertreter solche Anker aufbauen, mit denen sich Nutzer wirklich anfreunden können. Das können z.B. Athleten für eine Sportmarke sein, oder Designer für Modehändler.

Social Media schließt die Lücke im Distanzhandel. Dass man Produkte mit einem „Like it“-Button seinen Freunden vorstellen kann (oder via Hollr und andere Shoutbox-Services herausposaunt), ist erst ein Anfang. Eine Verbindung mit Customization-Modulen wird es bald z.B. für Vereine oder die in Amerika so wichtigen Studenten-Verbindungen möglich machen, auf facebook gemeinsam Kollektionen zu entwickeln. Klar, das könnte man auch beim Versender selbst - aber dieser Weg ist heute schon zu weit. Es geht darum, die Marke dahin zu bringen, wo die Fans ohnehin sind. Früher durch eine Ausdehnung des Filialnetzes und tieferes Mailen in bestimmte Zielgruppen. Heute durch Präsenz in Networks. 

 

 

 


Von Martin Groß-Albenhausen
17.02.10

Pop up-Stores: Ideal für facebook?

Seit vergangener Woche hat facebook eine eigenen Deutschland-Niederlassung, und laut Psychonomics liegt das Netzwerk in der Bekanntheit inzwischen auf Rang 1. Aber was noch fehlt, sind Geschäftsmodelle für Händler.

Nicht, dass es nicht den einen oder anderen Blumen-Shop gäbe. Andere nutzen die Gallerie intelligent, um dort codierte Gutscheine zu platzieren, die sich viral verbreiten lassen.

Aber echte Retail-Konzepte?

Aus den innovativeren Formaten kann man zumindest eines herausgreifen, was sich lohnen könnte. Pop up-Stores. Frontline hatte damit letztes Jahr in Hamburg im physischen Einzelhandel einen interessanten Versuch gemacht. Warum könnte das gerade bei facebook auch funktionieren?

 

  • Zum einen, weil man das Event viel gezielter bewerben kann als bei Google. Viele Versender wissen bis heute nicht, dass man bei facebook ziemlich gut aussteuern kann, welche Nutzer (Geschlecht, Alter) eine Anzeige gezeigt bekommen.
  • Zum anderen, weil man die Teilnahme auf "Fans" beschränken kann. Das ist quasi ein Mini-Shoppingclub-Erlebnis. Klar, das kann man mehr oder weniger offen gestalten. Auf jeden Fall ist es ein konkreter Benefit für die Freunde einer Marke.
  • Außerdem lebt ein Pop up-Store zwar nicht nur, aber auch von der Mundpropaganda. Für einen kurzen Verkaufszeitraum sind andere Kampagnen-Formen oft zu teuer. Real Time-Werbung via Twitter und Facebook ist da besser geeignet.

Allerdings sollte man nicht unterschätzen, dass für solche Pop up-Formate in Facebook auch Programmierung und Gestaltung nötig sind. Templates sind das eine, aber wirklich schöne Präsentation ist auch nötig.

 

In Amerika gibt es dazu erste Ideen und Anwendungen. Die Schmuck-Marke Rachel+Estelle hat jetzt so einen 5-Tages-Event durchgeführt. Exklusive Schmuckstücke waren innerhalb von 12 Stunden ausverkauft, das gesamte Sortiment schon vor dem Auslaufen der Aktion.

rachel_estelle.jpg

Basis ist die Software "Fluid Social", eine auf Social Commerce ausgerichtete Lösung. Im Blog führt Fluid den Erfolg auf einige Kriterien zurück, die jenseits der eigenen Plattform liegen. Da ist zum einen, dass nicht einfach der Shop auf facebook appliziert wird, sondern ein Sonderformat mit einem adaptierten CI eingesetzt wurde. Das Sonderformat muss dabei aber der Marken-Wahrnehmung gerecht werden. Wirklich spannend sind aber zwei andere Punkte: 

Authentically social. We were surprised to see so many self-described “social shopping” implementations out there that completely lacked basic social functionality. Fluid integrated standard facebook “like” and “share” functionality throughout the entire experience, delivering users the social elements they expect. It makes for a great shopping experience to see that 90 other people “liked” the Petal Ring – far more meaningful in this context than product reviews. 
Limited to fans only. It’s impossible to overestimate how much consumers value insider status and benefits. As long as you are serving up real value – and avoiding exclusivity for exclusivity’s sake – your consumers will appreciate it, share more and have a stronger urge to buy.

Dabei ist m.E. das Format gar nicht so "social". Das wäre es, wenn man z.B. Sets von vier Schmuckstücken angeboten hätte, die man nur zu viert als facebook-Freunde kaufen könnte. Warum? Weil dadurch jeder drei weitere "Fans" mitbringen müsste. Und das würde die Zahl der Fans noch weiter nach oben bringen.

Aber auch so hat sich das Experiment gelohnt. Allein am ersten Tag stieg die Zahl der "Fans" um ein Viertel.

 

 


Von Martin Groß-Albenhausen
17.02.10

Google Voice-Search bald auch auf deutsch

 

Auf der MWC in Barcelona hat Google gezeigt, dass die Voice-Search auch auf deutsch funktioniert - hier das zugehörige Video:

 


Von Martin Groß-Albenhausen
15.02.10

Zalando und das Mashup 3.0

Inzwischen werden meine Beobachtungen und Berichte zu mirapodo noch vor dem eigentlichen Launch zur Serie. Offenbar lesen das auch die Wettbewerber und bedienen sich gerne "präpartum", also vor der Geburt.

Über das Klonen von innovativen Ansätzen diskutieren viele derzeit am Beispiel der Groupon-Konzepte. Aber zwischen Klonen und Plagiieren sind es zwei Dinge. Wikipedia verrät uns: 

Unter einem Plagiat (von lat. plagium, „Menschenraub“) wird im Urheberrecht allgemein das bewusste Aneignen fremden Geistesguts verstanden.

Plagiarii waren übrigens "Kidnapper", Kinds-Räuber. An anderer Stelle findet man diese Beispiele für Plagiat: 

Ein Artikel oder Teile einer Webseite werden ohne Autorenangabe neu aufgelegt. Eine Student kopiert einen Text vom Web oder einem Buch und gibt sie als eigenen Aufsatz aus. Ein Autor kopiert Teile eines anderen Buches ohne Quellenangabe. Ein Komponist "klaut" eine Melodie von einem anderen Komponisten.

Alfons spießt im "Horizont" immer wieder solche geistigen Kinderräuber in der Werbebranche auf. Einen Plagiarius-Preis, wie der vergangene Woche auf der Ambiente verliehene, gibt es noch nicht. Stattdessen gibt es jede Menge Prozesse diesbezüglich.

Gestern abend war wieder der Zalando-Werbespot zu sehen. Der ist eine wenig originelle Kopie des Zappos-Werbespots aus den USA. Dass man den Zalando-Spot auf Youtube oder Myvideo oder Clipfish NICHT findet, ist eigentlich erstaunlich. Man findet generell kein Bild davon. Und das wäre angesichts der Klagefreude amerikanischer Anwälte vielleicht auch zu riskant... Wie dem auch sei, hier der Form halber das Original:

Und nun zurück zu mirapodo: Die Berliner sind noch gar nicht aus der private-Betaphase entschlüpft, da finden sich über nacht auf einmal einige Elemente auch bei Zalando. Seit Mitte vergangener Woche findet man z.B. die 100 Tage-Garantie, über die ich hier berichtet habe. Die Header und Teaser sind gleichfalls erstaunlich an das bei mir gezeigte Original mirapodo angenähert. Hier nochmal mirapodo:

mirapodo_teaser.png

Und hier Zalando zunächst in zwei alten Versionen und dann in der neuen:

zalando_alt_4.jpg

zalando_2010_01.jpg

Hier jetzt die Version, die seit letztem Mittwoch/Donnerstag sichtbar ist:

zalando_teaser-neu.png

Hier mal im Einzelnen:

So sieht die Dachleiste bzw. der Header bei mirapodo aus:

mirapodo_header-detail.jpeg

Und hier guckst du Zalando:

zalando_header-detail.jpeg

Hier der mirapodo-Teaser mit den markanten Pfeilen:

mirapodo-Pfeile.jpeg

Und hier der Zalando-Klon:

zalando-Pfeile.jpeg

Und rechts neben dem Teaser hat mirapodo einen Service-Kasten platziert, der sich so bei Zalando bis letzte Woche nicht fand (s.o.) - und die Seite seit Mittwoch/Donnerstag ziert:

mirapodo_servicekasten.jpeg

zalando_servicekasten.jpeg

Plagiat in der Werbung ist die höchste Form der Anerkennung. Außerdem lieben Investoren Kopien, denn da steckt einfaches Geld drin. Dass da die früher mal übliche Fairness in Zeiten des Web 2.0, in Zeiten von Mashups und Copy 'n Paste, auf der Strecke bleibt, überrascht nicht. Man mischt einfach so auf und ein, was einem an passenden Dingen irgendwo begegnet.

Da waren die Samwers früher noch klüger, als sie vier Jahren nach dem eBay-Start eine deutsche Seite dem Original nachbauten - vor allem das Konzept kopierten - und sich dann für 43 Mio. Euro von eBay abkaufen ließen. Vielleicht hofft ja jemand, dass Amazon Deutschland Zalando übernimmt. Oder Zappos direkt.

Copycats kenne ich, seit ich den Versandhandel kenne. Der Camel-Shop hat das erlebt und Batania Direct, Conley's sieht sich von Ottos "brandneu" in Teilen kopiert und bei den Baby-Versendern gibt es auch immer wieder mal Diskussionen. Das On air-Design der Teleshopper könnte man sicher auch immer mal kritisch unter die Lupe nehmen.

Neu ist es - aber eben ein Kind der "beta"-Kultur -, dass die Plagiate schon entstehen, bevor das Original auf dem Markt ist. Darum ist es um so wichtiger, dass ich mirapodo schon vor dem Start öffentlich machen konnte. So ist zumindest klar, wer hier bei wem abgekupfert hat. Mea culpa? Ich hoffe mal, dass ich damit nicht die Matrize für die Kopie mitgeliefert habe...


Treffer 51 bis 60 von 458
 
Gefallen Ihnen meine Artikel?
Teilen Sie diese Artikel auf Facebook!

RSS-Feed
Tweets