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Amazons iPhone-App: Der Mechanical Turk in Deutschland

Gerade meldet Amazon, dass man ab sofort die deutsche App für iPhone und iPod Touch herunterladen könnte. Mit dabei: Memo, das Foto-Erkennungssystem, das auf globalem Crowdsourcing fusst.

Bei Amazon Memo kann man mit der Handy-Kamera Bilder von Objekten aufnehmen. Diese werden automatisch hochgeladen und erhalten binnen Sekunden oder auch mal einigen Minuten passende Treffer aus der Datenbank. Die Hauptfunktion von Memo ist allerdings, sich Listen von interessanten Objekten anzulegen.

Was vielen verborgen bleibt, ist die Funktionalität hinter Memo. Zum Einsatz kommt der Mechanical Turk, ein seit einigen Jahren vor allem in Amerika eingeführtes Crowdsourcing-Konzept. Dabei erhalten tausende von potentiell weltweit verteilten digitalen Lohnarbeitern Kleinbeträge für unterschiedlichste Aufgaben. Das können z.B. Software-Programmierungen sein (wofür es hauptsächlich ausgelobt wird), aber auch Umfragen oder die Zuordnung von Bildern zu vorselektierten Produktoptionen aus einer Datenbank.

Die Kombination einer "leistungsstarken Software" mit "menschlicher Intelligenz" ist für Amazon der richtige Weg, um 24 Stunden am Tag möglichst passende Treffer zu liefern. Oder wie es in der Beschreibung des MT heißt: 

While computing technology continues to improve, there are still many things that human beings can do much more effectively than computers, such as identifying objects in a photo or video, performing data de-duplication, transcribing audio recordings or researching data details. Traditionally, tasks like this have been accomplished by hiring a large temporary workforce (which is time consuming, expensive and difficult to scale) or have gone undone.

Dabei geht es auch um den schonenden Umgang mit Ressourcen - der "Requester", also der Auftraggeber: 

Businesses or developers needing tasks done (called Human Intelligence Tasks or “HITs”) can use the robust Mechanical Turk APIs to access thousands of high quality, low cost, global, on-demand workers—and then programmatically integrate the results of that work directly into their business processes and systems.

Es geht hier also um die Arbeit der "digitalen Boheme", um mit Holm Friebe und Sascha Lobo zu sprechen. Bzw. des modernen Digital-Proletariats, wie Kritiker sagen. Interessant sind allerdings die Erhebungen zu diesem Thema. Umfragen weisen die "Turkers" als jünger, ärmer und eher weiblich aus: Panos Ipeirotis kommt zu diesem Schluss aufgrund von ComScore-Daten und eigenen Erhebungen. 

So, how Turkers compare to the general US Internet population? The short answers:

Turkers are younger. 54% of Turkers are between 21-35 years old, compared to 22% of the general population. 
Turkers are mainly female. 70% of the Turkers are female, compared to 50% of the general population. 
Turkers have lower income. 65% of Turkers have household income less than 60K, compared to 45% of the general population. 
Turkers have smaller families. 55% of Turkers do not have children, compared to the 40% of the general population. 

Geographical distribution of Turkers and Internet users is similar. Race composition of Turkers and Internet users is similar, although there are slightly more Asians on Mechanical Turk. 
Of course, the last two bullets may be simply the result of the first: Younger people have lower income, do not have children, and live in smaller households.

Allerdings sagen verschiedene Umfragen auch, dass Lohnerwerb nicht unbedingt die alleinige Motivation für das "turken" ist.

Mechanical_Turk_Purpose.jpg

Interessant ist in jedem Fall die Erkenntnis, dass Software allein nicht ausreicht, um 1 und 1 zusammenzuzählen. Die Interpretation von "unstrukturierten" Daten ist das große Projekt, das den Online-Handel auf die nächste Stufe heben kann. Wie schwer es ist, sogar aus strukturierten, aber verstreut vorliegenden Informationen die richtigen Schlüsse zu ziehen, merken wir in der Debatte über die Vorratsdaten-Speicherung und Fluggast-Vorfälle.

Stephen Baker, Autor des Buches "The Numerati", wird darüber auf der ECOM in Berlin eine Keynote halten. Auf der ECOM geht es in diesem Jahr nicht nur um neue Konzepte, sondern auch und gerade um die Nutzung und Verarbeitung von Kundenbeiträgen. Und darum, wie man daraus eine Zukunftsstrategie für sein Versandhandels-Unternehmen schmieden kann.

 


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